


das feuer kubas
von heißen salsa-rhythmen, bolero,cha cha cha, rumba und weiteren abenteuern,die mich schon beim lesen ins schwitzen bringen, spricht der flyer, der mich informiert, wie ich meinen kleinen freitagabend verbringen darf; eine kubanische kombo will also in der kreisstadt konzertieren und das publikum in eine andere welt entführen. „mit ihren strahlenden gesichtern, ihrer lebensfreude und musikalischen power bringen die begnadeten musiker die sonne kubas zum aufgehen und das publikum zum tanzen“...klingt nach hexenkessel...
der saal erinnert mich sofort an ein 60er-jahre tanzcafé mit heinz erhardt, nur nicht so charmant, großartig auch, dass die veranstalter es sich nicht haben nehmen lassen, den tempel links und rechts der bühne zu bestuhlen, in der mitte hat man aber freundlicherweise platz gelassen, damit die ausgelassene meute auch tanzen kann.
Das erste set läuft leider etwas zäh, die kubanische lebensfreude will sich nicht so recht ausbreiten, bei einem publikum, dass auf stühlen sitzt und der kombo lauscht, als habe man den großen opernabend gebucht.
nur vereinzelt wird auch getanzt; zwei seekuhfreundinnen (antje+antje) schleudern sich gegenseitig wild über’s parkett als gäbe es kein morgen mehr. gott sei dank ist bald auch schon pause,zeit zum durchatmen...
im zweiten set wird’s auch sofort schöner,denn der salsa-tanzkurs ist vorbei und die teilnehmer samt lehrer kommen geschlossen zum event, um mühsam erlerntes auch mal in der realität anwenden und vorführen zu dürfen.
schade ist, dass es völlig egal ist, ob die musik nun cha cha cha, rumba,mambo oder salsa vorgibt, wenn der deutsche tanzt, sieht es trotzdem immer nur nach foxtrott aus.lediglich der lehrer und seine liebreizende tanzpartnerin sorgen für echten augenschmaus, zeigen uns, was alles geht, wenn man nur lange genug trainiert und übt,wenn der selbstbräuner in klinikpackungen aufgetragen wird,gesundheit und gute laune ausstrahlt, gute promotion, um auch den nächsten kurs garantiert vollzukriegen.
ich blicke mich im übrigen auditorium um, aha, da werden zigarren geraucht, rumcocktails bestellt, ich entdecke einen herrn, ereignisangemessen in beigem leinenanzug und weißem hut ausstaffiert.
was soll das denn bloß? ein romantischer kleiner blödmannsanfall, der neo-spießer überfällt, wenn das wort kuba im kopf alle klischees durchrattert?
die band gibt sich echte mühe, schaut auch freundlich drein, so als hätten sie spaß auf der bühne...haben sie vielleicht auch...schweinebauch-werbung fällt mir ein...lachen die sich scheckig über ihr publikum? kommt rosalie und ihre combo jetzt aus havanna oder lebt sie eher in wanne-eickel? völlig egal, das konzept geht auf, seit ry cooder seinerzeit mit dem „buena vista social club“ auch trend gesetzt hat.
seitdem kann sich da jetzt jeder sein scheibchen abschneiden, musikanten bringen scheinbar überschäumende lebensfreude in die deutsche schrankwand mit beleuchteter glasvitrine, reisebüros verkaufen schicke reisen all inclusive (ein gerne gebuchtes urlaubsziel alleinstehender damen übrigens, denn für den kurs, den ein kubanischer boy zwei wochen kostet, kann man sich in deutschland keinen köter halten.)
ich merke, wie mir ein bisschen schwindelig wird von den rasselnden rhythmen und verlasse lieber die veranstaltung, bevor ich mich am ende auch noch zu einem cuba libre verführen lasse und es dann doch noch was wird mit der im flyer angedrohten lebensfreude, jedoch nicht ohne gruß:
viva la evolution!
28 Mai 2006
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