06 März 2007

le monde est petit

wir waren in einem café in nancy verabredet, bevor wir zusammen ins l'austrasique fahren wollten, einen club, den ich wohl alleine auch niemals gefunden hätte.

ich war etwas früh und setzte mich an die theke, um auf gael zu warten. ich fragte nach einem café crême und einer orangina. während der mann hinter dem tresen an der lauten alten gaggia-maschine an meinem gebräu werkelte, musste ich über meine alberne orangina-marotte lächeln. obwohl dieses getränk ja mittlerweile auch in deutschland kriegbar ist, trinke ich diese limonade ausschließlich auf französischem boden.
die erste flasche bedeutet angekommen zu sein im fremden land.
derweil der milchschäumer vor sich hin gurgelte, kramte ich meinen tabak aus der tasche und begann, eine kippe zu drehen.
der kaffee kam und der mann stutzte, als er die tasse hinstellen wollte.
ich schaute ihn an, er sah auf meine hände. dann sah er mir erstaunt ins gesicht und sagte:
-anya.
ich war einigermaßen überrascht.
-oui, c'est moi. mais..?
viel mehr fragen konnte ich nicht. der mensch kam um den tresen gelaufen und überfiel mich mit einer umarmung.

wir waren uns schon mal begegnet. irgendwann vor langer zeit in madras auf dem flughafen. wir hingen dort fest, sowohl mein flug nach bombay als auch sein flug nach varanasi war auf unbestimmte zeit verschoben worden.
während ich in der flughafenhalle auf den aufruf wartete und mir langsam sorgen machte, dass ich vielleicht den anschlussflug nach frankfurt nicht erwischen würde, kam er dazu und fragte in typisch französisch-englisch, ob er sich zu mir gesellen dürfe.
wir unterhielten uns über reiserouten und erfahrungen, die wir unterwegs gemacht hatten, amüsierten uns darüber, dass wir die gleichen ziele gesteckt hatten, nur dass ich in dehli gestartet war und er in bombay. ich überlies ihm mein notizbuch mit adressen, wo man im norden übernachten konnte.
irgendwann kramte ich mein letztes päckchen tabak aus der tasche und fing an, eine kippe zu drehen.
er kam vollends aus dem häuschen.
- o.c.b...o.c.b...

ich begriff nichts. er zeigte auf die blättchen und hatte fast tränen in den augen.
- ein stück heimat, ein stück frankreich,wie lange habe ich das schon nicht mehr gesehen...

eigentlich war er nichtraucher. aber das kleine blaue papierbriefchen hatte ihn so mitgenommen, dass er die erste zigarette seines lebens mit mir rauchte.

irgendwann wurde dann der flug nach bombay aufgerufen und wir verabschiedeten uns. den tabak und die blättchen ließ ich ihm da.

und nun, so viele jahre später...eine dreckige kleine bar unterhalb der uni von nancy... ce n'est pas la porte à côté,hm?

aurélien hatte übrigens das rauchen nicht mehr aufgegeben.

la vie est une énigme.
ça sera tout?
voila tout.

8 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wunderschöne Geschichte! Man trifft sich eben immer zweimal im Leben.... Da ist schon was dran.

Und so stirbt er wenigstens nicht an den Folgen des Passivrauchens ;), denn die sind ja angeblich viel schlimmer (den konnte ich mir jetzt nicht verkneifen...).

Roger B. Nigk hat gesagt…

Ich liebe Kurzgeschichten in diesem Stil, vor allem wenn sie sich auch so zugetragen haben. Nur dass der Typ jetzt raucht, dem kann ich mir nichts abgewinnen. Seh das aber mal als poetischen Stützpfeiler weswegen ich das von Passivrauch gerötete dritte Auge mal ganz fest zudrück, trotz schier unerträglichen Schmerzen und gelblichen Ausfluss.

mq hat gesagt…

Sehr schöne Geschichte aus der Mitte des Lebens! Ich hatte mir zum letzten Jahresbeschluss vorgenommen, das Rauchen wieder anzufangen. Aber es will nicht recht gelingen. Eigentlich hatte ich immer Muskote bevorzugt, wegen der Sprüche. Vielleicht sollte ich es mal mit OCB probieren.

Anonym hat gesagt…

@Herrn Quint: Also: Üsch. Damals. Ja auch eher so Muskote. Ne!
OCBs sind so pergamin. Hauchdünn geblättert, schlecht brennbar...ach...
Und Vorsätze jedwelcher Art sind meist eh "XXXX"!
Obwohl die OCB Verpackung ja so ästhetisch alles übertraf ;)

Anonym hat gesagt…

Frau H. verwechselt die OCB mit Rizla.
Ab zum Rauchwarenhändler und Papier kaufen!

handgetan im linsenhaus hat gesagt…

soviel rauch um nichts...

Oles wirre Welt hat gesagt…

Cette histoire m'a vachement bougé.

Zauberschön.

handgetan im linsenhaus hat gesagt…

ce sont toujours les petites choses qui font la vie magique, tout d'un coup?

(souriante)