24 September 2006

heute aus der reihe:
"wir basteln uns einen verdrießlichen sonntagnachmittag"
moderation+leitung:
prof.dr.olga pawlowa



Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

4 Kommentare:

DanielSubreal hat gesagt…

...den Blick nicht auf den Organismus, sondern auf den Willen gerichtet...

"...der Hammer zertrümmtert die Phiole, das Gift tritt aus und verdampft, die Katze atmet es ein und stirbt sofort. Nicht von all dem ist von außen zu sehen, zu hören oder zu fühlen. Selbt der aufmerksamste Beobachter wird nicht feststellen können, ob der radioaktive Zerfall im inneren des Käfigs schon stattgefunden hat oder noch zu erwarten ist..." ("Schrödingers Katze" von Brigitte Röthlein)

...

...verdrießlicher Sonntag, es ist trotzdem sehr gut, dass du hereingetreten bist...

Roger B. Nigk hat gesagt…

Rilke ist einer der Dichter von denen ich nichts kenne, die ich aber von vornherein nicht leiden kann (weiß nicht mal wie der Typ aussieht, vielleicht stört mich nur sein zweiter Vorname). Das Lesen seines Gedichtes "Der Panther" ändert leider nichts an meiner Meinung, jedoch kann ich jetzt nicht mehr ganz der Proll behaupten "I hass' den Penner obwohl i nix vo dem kenn'." Schade.

handgetan im linsenhaus hat gesagt…

...roger b.nigk,
es tut mir fast ein bisschen leid, dass ich nun völlig unbeabsichtigterweise dazu beigetragen habe,den kulturellen horizont eines jungen menschen zu erweitern...

;-)

er wird es verkraften,hm?

Roger B. Nigk hat gesagt…

Naja, ich hoff's. Rilke prügelt sich derweil in meinem Kopf mit Miller und Bukowski oder besser gesagt, er bezieht Prügel (Erich Fromm schaut zu, David Werner verarztet und T.C. Boyle schreibt darüber).